Wappen von Wedtlenstedt

Liebe Leserin, lieber Leser



Liebe Leserin, lieber Leser,
es gibt diesen Satz „Zeit ist die Seele der Welt“. Das klingt schön. Doch was ist damit eigentlich gemeint? Bedeutet es, dass Veränderung im Spannungsverhältnis von Vergänglichkeit und Hoffnung die Welt zielgerichtet formt? Oder dass geschichtliche Entwicklungen und zeitgeistige Strömungen unsere Welt prägen?

So richtig kann ich mir auf Zeit und Weltenseele keinen Reim machen. Ich finde aber den biblischen Gedanken beruhigend, dass Gott die Welt - bei allem, was sich an Gutem und Bösem auf ihr abspielt - in seinen Händen hält. Dass wir hier nicht allein gelassen sind.

Der Physiker Albrecht Kellner erklärt in seinem Buch „Expedition zum Ursprung“ das anthropische Prinzip: In wissenschaftlicher Hinsicht finden sich Hinweise, dass das Universum aufgrund seiner unvorstellbaren Feinabstimmung fast zielgerichtet daraufhin angelegt ist, auf der Erde Leben zu ermöglichen.
Es wäre z.B. schon bei einer Abweichung des Verhältnisses von Masse und Energie zum Zeitpunkt des Urknalls um nur ein Trillionstel von seinem Wert nach oben oder unten nicht entstanden. Ein Trillionstel ist eine Zahl mit 17 Nullen nach dem Komma. Dazu müssen auch noch circa zwei Dutzend weitere Bedingun- gen gleichzeitig dazukommen, um menschliches Leben zu zulassen. Daher ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Erde mit uns Menschen zufällig entstanden sein könnte, statistisch gesehen ausgeschlossen. Freeman Dyson, ein britisch- amerikanischer Physiker, formulierte es einmal so: „Je länger ich das Universum betrachte und seinen Aufbau studiere, desto mehr Anzeichen finde ich dafür, dass das Universum von unserem Kommen gewusst haben muss:"

Man könnte also sagen, dass Gott Hinweise auf seine Existenz in Universum und Welt hineingelegt hat. Gott ist nicht die Seele der Welt, sondern ihr genialer Schöpfer.

Er wird uns in der Bibel als jemand beschrieben, dessen größtes Interesse uns Menschen gilt, ja, der sich nach unserer Nähe geradezu sehnt. Der Prophet Jesaja (65,1f) sagt im Auftrag Gottes: „Ich wollte gesucht werden, doch niemand hat nach mir gefragt. Ich wollte gefunden werden, doch niemand hat nach mir gesucht. Ich sagte: Ich bin da, ich bin da... Die ganze Zeit war meine Hand ausgestreckt“ (Basisbibel). Wir müssen nicht die Seele der Welt begreifen. Sehr viel wichtiger für uns ist es, in unserem Leben nach Gott zu fragen, nach ihm zu suchen und seine Hand zu ergreifen. Wir fassen nicht ins Leere. Gott freut sich an uns. Ich wünsche Ihnen einen schönen Sommer,

Ihre Agnes Vollmer-Doerk




Auszug aus dem Gemeindeboten der ev.-luth. Kirchengemeinde Bortfeld und Wedtlenstedt,
Ausgabe Juni 2026